Liebe vs. Dominanz

BDSM spielt sich hier vor allem im Kopf ab
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Carisa
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Liebe vs. Dominanz

Beitrag von Carisa » 1. Apr 2010 11:45

Hey ihr,

bin gerade auf eine Frage gekommen, nachdem ich im Thread "Devot-Nichtdevot" geschrieben hab.

Wenn man mit dem Top, den man da vor sich stehen hat, eine Beziehung hat, wenn man sich liebt, kann es dann sein, dass das mit der Dominanz und ggf. auch mit dem damit einhergehenden SM (Schläge, Schmerzen etc.) nicht ganz so gut klappt?

Ich habe mal überlegt, wie das bei mir bisher so war und ich hab den Eindruck, dass ich die intensiveren Dominanz-Erfahrungen gemacht habe mit jemandem, den ich zwar als Freund sehr gerne mag, mit dem mich aber keine Liebe verbindet.
Hingegen die Sessions mit meinen Partnern waren meistens nicht so intensiv, einfach auch, weil der Partner doch mehr Rücksicht nimmt und einfach ganz anders in einen reinfühlt, glaube ich. D.h. er hört ggf. früher auf, weil er es nicht fertig bringt einem jetzt wirklich richtig weh zu tun bzw. den Willen zu brechen. Vielleicht auch, weil nach der Session ja vielleicht genau das vorgeworfen wird?

Mich würden da mal eure Erfahrungen (von beiden Seiten) interessieren. Macht es einen Unterschied, wenn man eine Session mit dem Partner hat oder mit einem Bekannten, mit dem man nicht so emotional eng verbunden ist?

Gruß

Carisa
Das Leben ist eine zu 100 % tödliche Krankheit, die auf sexuellem Wege übertragen wird.

Frater
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Re: Liebe vs. Dominanz

Beitrag von Frater » 1. Apr 2010 11:56

Ich würde das mal als "Risikofrage" klassifizieren. Man überlegt permanent, was man mit seinen Aktionen und dem eigenen Verhalten für Konsequenzen provozieren könnte. Die Konsequenzen bei einer Freundschaft sind im Normalfall weit geringer als bei einer fixen Partnerschaft. Wenn die Freundschaft verlustig geht, hat das (meistens) keine Auswirkungen auf Wohnort, Haustiere, Finanzen, Haussegen, ... während es bei einer Beziehung dann schon stressiger werden kann, zumal man ab einem gewissen Alter ja eben auch dazu neigt, sich ein Haus/eine Wohnung zu teilen. An Kinder etc., die man mit Freunden wohl nicht oft hat, mag ich dabei gar nicht denken.

Ergo ist es für einen "Freund"-Dom weniger 'gefährlich' wenn er es beim spielen weiter treibt, als für den Partner. Letzerer hat wesentlich mehr zu verlieren und steht auf dünnerem Eis.

Somit kann ich mir gut vorstellen, das Sessions mit einem Bekannten oder Freund intensiver sein können, da der Partner sich viel zu sehr einen Kopf um die Konsequenzen seines handels, vor allem bei ab- oder unabsichtlichem überschreiten von Grenzen. Es wäre ja nicht so als hätten Doms keine Verlustängste.

- Frater

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Kaoru
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Re: Liebe vs. Dominanz

Beitrag von Kaoru » 1. Apr 2010 14:59

Das erste Jahr über hatte mein Freund keinerlei romantische Gefühle für mich. Rein die Sessions waren unübertroffen. In der Zeit hate ich die schönsten und intensivsten Erlebnisse überhaupt.
Das zweite Jahr war sehr schön udn romantisch. Die Sessions wurden länger und tiefer, was die Gefühle betrifft. Wir konnten Spiele spielen, die tiefer unter die Haut gehen, aber nicht so plötzlich rein gehauen haben.
Jetzt, wo wir sehr viel Alltag zusammen haben bekomme ich von ihm immer öfter zu hören, dass er nicht zuschlagen kann. Dass er mich nich "kaputt machen" will.

Frater
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Re: Liebe vs. Dominanz

Beitrag von Frater » 1. Apr 2010 15:01

Ja, das sag ich doch... ?

- Frater

SevenSins
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Re: Liebe vs. Dominanz

Beitrag von SevenSins » 1. Apr 2010 15:03

Das erste Jahr über hatte mein Freund keinerlei romantische Gefühle für mich. Rein die Sessions waren unübertroffen. In der Zeit hate ich die schönsten und intensivsten Erlebnisse überhaupt.
Das zweite Jahr war sehr schön udn romantisch. Die Sessions wurden länger und tiefer, was die Gefühle betrifft. Wir konnten Spiele spielen, die tiefer unter die Haut gehen, aber nicht so plötzlich rein gehauen haben.
Jap, so in etwa war das bei uns auch. Es verschob sich irgendwo auch die vordergründige Wichtigkeit von BDSM. Es wurden zunehmend auch andere Dinge wichtig.

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chili{Tq}
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Re: Liebe vs. Dominanz

Beitrag von chili{Tq} » 1. Apr 2010 16:47

Interessantes Thema, Carisa *in die Pfötchen patsch*

Irgendwie scheint bei längerer Beziehung auch irgendwo wieder die soziokulturelle beziehungstechnische Prägung zu greifen, auch und gerade bei D/slern.
Also so Glaubenssätze und allgemeine Ansichten wie "Wenn man jemanden liebt,.."
- darf man ihm nicht wehtun
- darf man ihn nicht einengen oder in seinen Freiheiten beschneiden
- darf man nicht egoistisch sein sondern muss sorgsam und rücksichtsvoll mit ihm umgehen
- muss man immer auf seine Wünsche und Bedürfnisse eingehen
- muss man empathisch und verständnisvoll reagieren
- darf man nicht einfach blind seinen "animalischen Trieb" (wehe, jemand kichert jetz bei dem Begriff *streng gugg*) ausleben
- darf man keine Fehler in der Beziehung machen sonst hat man riiiiesigen Stress an der Backe und alles ist aus und vorbei und umsonst

Jetzt fällt mir allerdings auf, dass diese ganzen Dinge, die man "nicht tun darf", ausgerechnet die Dinge sind, die ich total geil find (mit Ausnahme des letzten Punktes natürlich *gg*)
Hm.
Plöt.
Da bleibt mir persönlich nur die Möglichkeit, meinem Herrn wie auch immer nur möglich zu zeigen und Ihn zu bestärken, dass Er eben sehr wohl so domsenmäßig rücksichtslos mit mir umspringen kann, sich nehmen soll, was Er wann und wo grad will, damit Er sich nicht in die Überfürsorglichkeit entwickelt. Das ist zumindest bei mir ein sehr bedeutender Faktor, damit die Dominanz nicht flöten geht.

So ähnlich wie Carisa das im Eingangspost schon angeschnitten hat, meine ich aber auch: Vllt hat ein Beziehungsdom einfach nur mehr Angst vor Beziehungsstress, falls mal was in die Hose geht beim Spielen?
Dazu möchte ich nämlich anmerken, dass mir als Dom bei der Empfindlichkeit mancher Subbies irgendwie auch die Lust und der Mut vergehen würde, eine richtig dominante - mit Verlaub - Drecksau zu sein. Oder der Erwartungsdruck und die Vorwürfe, die sich in vielen Beziehungen aufbauen können, wenn man nicht über Gefühle und Empfindungen redet. Das sind alles solche...mentalen Belastungen, die ein Spieldom meistens nicht hat. Weil da ist der Deal einfach klar - Spaß und Spiel mit überschaubaren, temporären Verpflichtungen. Keine komplizierten gefühlstechnischen Verwicklungen, keine mittel- bis langfistigen Bindungen und Pflichten, keine Beziehungsprobleme, kein lähmender Alltag.
Also, der Gedanke geht auch in diese Risikoecke, die Frater schon angesprochen hat. (von mir kriegst du jetzt auch dein *patpatpat* für deinen Thread, nachdem ihn dir Kaoru nicht gegeben hat *gggg*)

Äh, worauf wollte ich doch gleich wieder hinaus?
Achja, genau. Also ich oute mich hiermit tatsächlich als so idealistisch, als dass ich davon ausgehe, dass ein Schwund an Spielfreude und Dominanz keine notwendige, unausweichliche Entwicklung in einer Beziehung ist. ich denke tatsächlich, dass man versuchen kann zu analysieren, woran es im individuellen Fall liegt, dass Dominanz verschwindet, sofern es von den Beteiligten als unangenehm erlebt wird. Und dann müsste sich doch mit hoher Wahrscheinlichkeit etwas finden lassen, mit dem man diesem unerwünschen Effekt entgegenwirken kann.

Dann kann man alte Konflikte, die einen vllt dazu bringen, ungehalten und mit Vorwürfen auf kleine Fehler in der Session zu reagieren, mal auf den Tisch bringen und bereinigen.
Dom kann daran arbeiten, dominanz- und spiellähmenden Erwartungsdruck loszuwerden.
Man kann das D/s-Verhältnis mit hübschen kleinen Ritualen pflegen, man kann das Kopfkino regelmäßig bemühen und pflegen, man kann neue Techniken, Spiel- und Beziehungskonstellationen ausprobieren, den örtlichen und zeitlichen Rahmen mal komplett ändern, man kann daran arbeiten, dass Alltag und Stress weniger Einfluss auf die Beziehung zu Subbie haben (das erinnert mich an Feuerherrs "Hilfe!-Stress!"-Posting im 24/7-TPE-Unterforum hier).
Und vor allem muss man wohl viel darüber quatschen.

Das Liebe und Dominanz sich per se ausschließen glaube ich nicht, das entspricht auch nicht meiner Erfahrung und ich kenne genug positive Beispiele, bei denen es ebenfalls nicht so ist.
I have learned a lot (..) over the years, but frankly, a lot my experiences and the resulting lessons can be boiled down to one crude but pithy rule that I adhere to religiously:
Don't stick your dick in crazy. (Mistress Matisse)

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Re: Liebe vs. Dominanz

Beitrag von Wildruebe » 2. Apr 2010 12:15

chili{Tq} hat geschrieben:Also so Glaubenssätze und allgemeine Ansichten wie "Wenn man jemanden liebt,.."
- darf man ihm nicht wehtun
- darf man ihn nicht einengen oder in seinen Freiheiten beschneiden
- darf man nicht egoistisch sein sondern muss sorgsam und rücksichtsvoll mit ihm umgehen
- muss man immer auf seine Wünsche und Bedürfnisse eingehen
- muss man empathisch und verständnisvoll reagieren
- darf man nicht einfach blind seinen "animalischen Trieb" (wehe, jemand kichert jetz bei dem Begriff *streng gugg*) ausleben
- darf man keine Fehler in der Beziehung machen sonst hat man riiiiesigen Stress an der Backe und alles ist aus und vorbei und umsonst
Es gibt sicher auch Doms, die diese Glaubenssätze nicht haben: aber die wünsche ich niemandem, zumindest kann ich mir nicht vorstellen, dass jemand immer (oder auch meistens) nur ein menschliches Sexspielzeug sein möchte. Gerade für 24/7-Beziehungen, wo viele normale Kontrollmechanismen ausgehebelt oder zumindest abgeschwächt sind, halte ich es für sicherer, wenn Dom eigentlich respektvoll und fürsorglich ist und sich überwinden muss auch mal "böse" zu sein, als andersherum.

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chili{Tq}
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Re: Liebe vs. Dominanz

Beitrag von chili{Tq} » 2. Apr 2010 15:33

Awww, ich hatte vergessen zu erwähnen, dass man diese Glaubenssätze im Kontext eines Spiels sehen sollte. Da sind sie nämlich gemeinhin eher hinderlich wenn sie sich in den Vordergrund drängen.
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Re: Liebe vs. Dominanz

Beitrag von Wildruebe » 2. Apr 2010 19:21

OK, das ist klarer. Empathie halte ich aber eigentlich unter allen Umständen für wichtig: man muss ja erkennen, ob man vielleicht doch mal deutlich zu weit geht oder ob Subbie das noch wegstecken kann. Ob das mal schiefgeht, ist eine andere Frage, aber ich würde niemandem empfehlen bewusst unempathisch sein zu wollen. Der Rest kann stören, das stimmt, zumindest wenn man die Herr/Sklave-Dynamik möchte.

Ich persönlich überlege mir, ob für mich nicht langfristig so etwas wie die "Taken in hand"/"Loving Domestic Discipline"-Dynamik passender ist und eher meinen Wünschen entspricht (bzw. die Femdom-Variante davon): also nicht "Dom benutzt Sub" sondern "Dom entscheidet für Sub, aber mit dessen Interesse vor Auge". Zumindest für 24/7 käme wahrscheinlich nur dieses Modell für mich in Frage, und das halte ich auch auf lange Sicht für unproblematisch.

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Kaoru
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Re: Liebe vs. Dominanz

Beitrag von Kaoru » 3. Apr 2010 18:47

chili{Tq} hat geschrieben:(von mir kriegst du jetzt auch dein *patpatpat* für deinen Thread, nachdem ihn dir Kaoru nicht gegeben hat *gggg*)
öööö! Seit wann patten wir denn dauernd irgendwen für Thread-aufmachen? :lol:

chili{Tq} hat geschrieben:Achja, genau. Also ich oute mich hiermit tatsächlich als so idealistisch, als dass ich davon ausgehe, dass ein Schwund an Spielfreude und Dominanz keine notwendige, unausweichliche Entwicklung in einer Beziehung ist. [...]
Dom kann daran arbeiten, dominanz- und spiellähmenden Erwartungsdruck loszuwerden.
Ich sehe das eigentlich ähnlich. Andererseits habe ich das gefühl, hier gerade genau das zu erleben: Dass liebe die dominanz und auch den Sadismus dem passiven part gegenüber total abtötet.
Ich denke allerdings dass in solchen Fällen der Erwartungsdruck öfter von Subbie ausgeht. "Spiel mit mir und gefälligst so, dass ich Spaß habe und es mir gefällt" könnte öfter von Subbie gedacht werden

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