Eure Ost-West-Geschichte?

Da das Leben nicht nur aus BDSM besteht, ist hier auch Platz für andere Themen
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tiguar
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Re: Eure Ost-West-Geschichte?

Beitrag von tiguar » 10. Apr 2010 11:59

Dabei war das Posting noch mehr als milde ausgedrückt und ich habe extra versucht Klischees zu vermeiden... :roll: Das eigentlich traurige an den neuen Bundesländern ist, dass die Verarbeitung der eigenen Vergangenheit völlig übersprungen wurde und scheinbar schon nach 5-10 Jahren erfolgreich verklärt und als Ostalgie präsentiert wurde. Sowie, nebenbei bemerkt, Politikverdrossenheit noch erfolgreich als cool vermarktet wird. Dabei verstehe ich sogar denjenigen, der am Sozialismus durchaus etwas gutes gefunden hat, verstehe jedoch den nicht, der sich bis heute niemals seine Stasi-Akte hat zeigen lassen. Ich verstehe den nicht, der aus der DDR nichts gelernt hat, und ich verstehe nicht, wie sich so viele Leute mit Stasi Vergangenheit damals noch in so gut bezahlte und sichere Posten retten konnten.

Auch die 90% kann ich leider so auch nicht unterschreiben, solange bei Umfragen "Wollen Sie die Mauer zurück" noch 25-50% mit "Ja" antworten. Und das ist noch deutlich mehr als eine Mauer im Kopf.
"Unnütz jemandem einen Gedanken erklären zu wollen, dem eine Anspielung nicht genügt.

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chili{Tq}
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Re: Eure Ost-West-Geschichte?

Beitrag von chili{Tq} » 10. Apr 2010 20:27

Von der Wende habe ich nichts mitbekommen, die ersten Erinnerungen, die ich an die neuen Bundesländer habe sind:
- die Krawalle in Rostock-Lichtenhagen, das Rechtsradikalenproblem in der Sächsischen Schweiz, die NPD-Wahlerfolge
- was ich im Bekanntenkreis, der den Osten nach der Wende besucht hat, gehört hab: die Straßen schlecht, Atheismus, die Leute, die "nix hatten" (dh keine tollen "West"-Markenartikel, modischer Krams...), den Todesstreifen und die Stasi; also in erster Linie jede Menge Mitleid
- Gorbatschow und Perestrojka, irgendwie hatte ich mitbekommen, dass das mit "da drüben" zutun hatte

In meiner Schulzeit standen dann mehrere Exkursionen in die neuen Bundesländer auf dem Programm, darunter eine nach Weimar - tscha, da sah es dann (wider Erwarten?) nicht anders aus als drüben im Westen. Oha, und die lieben Menschen, die ich so kennenlernen durfte, da stellte ich auch keinen Unterschied fest.
Wenn, waren es eher positive - ich erlebe "Ostkinder" als wesentlich reflektierter, patenter, eigenständiger, viiiiel ehrgeiziger, leistungsbereiter, offener und wesentlich höflicher als ihre westdeutschen Pendants. Von etwaigen Identitätskrisen merke ich da auch nichts - viel eher scheinen mir Westdeutsche gerne viel Wind drum zu machen, wenn sie was zu Stande gebracht haben, wobei Ostdeutsche da irgendwie bescheidener rüberkommen zu scheinen. Leise Töne überhört man vllt manchmal. Über den Soli geschimpft wurde Mitte der Neunziger auch meines Erachtens mehr als es jetzt getan wird. ich glaube fast, wir sind ein wenig zusammengewachsen. :D
Gut, aber mein Umgang ist wohl weniger repräsentativ und fällt wohl eher unter die sog. "Wendegewinner".

Dass besonders in eher bildungsfernen und sozial benachteiligten Schichten in Passivregionen die Extreme, linke wie rechte, mit ihren einfach zu begreifenden, egostreichelnden Versprechungen auf offene Ohren treffen, ist ja keine Überraschung. Aber mit vielen Hochschulen und mit einem sehr guten Bildungssystem, wie beispielsweise Sachsen es besitzt, sind gewisse Grundsteine für einen Wandel gelegt.
I have learned a lot (..) over the years, but frankly, a lot my experiences and the resulting lessons can be boiled down to one crude but pithy rule that I adhere to religiously:
Don't stick your dick in crazy. (Mistress Matisse)

Erika

Re: Eure Ost-West-Geschichte?

Beitrag von Erika » 11. Apr 2010 10:55

Hallo Tiguar, ich frag mich wo Du deine Infos herhast, bzw. wieviele ExDDRBürger Du so kennst.
tiguar hat geschrieben: Das eigentlich traurige an den neuen Bundesländern ist, dass die Verarbeitung der eigenen Vergangenheit völlig übersprungen wurde und scheinbar schon nach 5-10 Jahren erfolgreich verklärt und als Ostalgie präsentiert wurde
Gerdae in der Generation der menschen die zur Zeit der Wende Jugendliche waren gibt es sehr viele die das Thema Wende sehr geprägt hat und die heute irgendwie immer noch nicht so klar kommen damit, weil es Ihr Leben so beeinflußt hat das es da gweisse Brüche in Biografie/Ausbildung etc. gab. Einfach mal so sein Land zu verlieren, wie auch immer es war ist mal nicht so nebenbei erledigt. Auch für mich ist das immer noch ein Thema in einem Lanf aufgewachsen zu sein was es nicht mehr gibt. Und auch viele andere Menschen, z.B. welche die in den Jugendheimen, Gefängnissen und Kinderheimen verbracht haben werden Ihr Leben lang davon geprägt sein. Genauso wie Menschen die ausgewiesen wurden, denen die Kinder weggenommen wurden, die Bespitzelt wurden... all diese Leute sind sicher nicht die die in eine bescheuerte Ostalgie verfallen.
Doch wenn etwas so sehr verschwindet wie es die DDR ist möchte man sich vielleicht wenigstens an ein paar kleinen Sachen erfreuen. Nicht weil es DDR war, sondern weil es eigene Vergangenheit war. Es gibt immer wieder Dinge, Objekte, Menschen, Orte die zum "Kult" stilisiert werden, das ist nicht nur bei dem Thema DDR so.
tiguar hat geschrieben: Sowie, nebenbei bemerkt, Politikverdrossenheit noch erfolgreich als cool vermarktet wird.
Nebenbei gesagt also, okey. Ich finde ja alles ist irgendwie Politik, und das ist kein Thema was man mal so nebenbei erwähnen kann und dann auch noch die Verdrossenheit darüber den Ostdeutschen in die Schuhe schiebt. Das ist im Westen auch nicht anders. Die deutschen sind an sich ein recht unterwürfiges Volk in meinen Augen, es dauert ewig bis die mal auf die Straße gehn. Egal ob Ost oder West. Bei uns hier gab es erst wieder Demos bezüglich der Kürzungen im Jugend- und Kulturbereich. Genauso, wie in meinem Umfeld Politik immer wieder Thema ist, weil das was die letzten Jahre abläuft einfach nur noch Kacke ist.
Also ich kann deiner Behauptung nicht zustimmen.
Die Jugend scheint sich generell nicht mehr sehr dafür zu interessieren, das nennt man wohl dann auch Erziehung, und die kommt nicht nur von den Eltern...aber gut, ich schweife vom Thema ab, da könnte ich jetzt noch viel erzählen von Staat und Verantwortung und Politiker als Vertreter des Volkes, was sie ja schon lang nicht mehr sind.
Und übrigens lief die Wende auch so wie der Westen das wollte, der Westen hat den Osten eingenommen. Und nicht andersrum.
Den Soli haben ALLE bezahlt. Und der Osten ist immer wieder das 2. Klasse Abteil in Deutschland.
verstehe jedoch den nicht, der sich bis heute niemals seine Stasi-Akte hat zeigen lassen
Vielleicht einfach aus Angst? Oder weil sie mit diesem Kapitel Ihres Lebens einfach abschließen wollen? Oder weil Sie Zeit brauchen? Ich kenne Leute die haben sich jetzt Ihre Akte zeigen lassen und einer hat festgestellt das er adoptiert wurde... ja, und jetzt, sein Leben ist erstmal komplett in Frage gestellt ...
tiguar hat geschrieben: Ich verstehe den nicht, der aus der DDR nichts gelernt hat
Und ich verstehe die nicht, die nichts aus den Aktionen von EU, G8, Klimagipfel und Nato etc. gelernt haben... Sachen die uns beeinflussen... wo sich unsere Politiker danach orientieren anstatt erstmal nach den "Interna" zu schauen, und vorallem erstmal für Deutschland zu handeln anstatt diesen ganzen "Wir sind alle eins" Mist mitzumachen, um schlußendlich unter der Fuchtel irgendwelcher Inter/Nationalen Interessen zu stehen, und das was aufgebut und gewonnen wurde für den schnöden Mamon und "größere" Interesse wieder kleinzuhacken und abzubauen.
tiguar hat geschrieben: und ich verstehe nicht, wie sich so viele Leute mit Stasi Vergangenheit damals noch in so gut bezahlte und sichere Posten retten konnten.
Das ist was, was ich mich auch Frage, aber was mir nicht unlogisch erscheint...sicher war hier wieder Geld und Vitamin-B im Spiel. Wer weiß was es auch hier untergründig für Verbindungen gab und gibt. Das war nach dem 3. Reich nicht anders und ist auch immer wieder in anderen Zusammenhängen zu beobachten.

N.E.
Zuletzt geändert von Erika am 11. Apr 2010 11:40, insgesamt 1-mal geändert.

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Kaoru
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Re: Eure Ost-West-Geschichte?

Beitrag von Kaoru » 11. Apr 2010 10:59

Nur ganz kurz zu den Zahlen und Daten, die hier genannt wurden.
Ich habe das Thema vor ca 3 Wochen bearbeitet und eine kleien Zusammenstellung daraus gemacht. Wen es interessiert, für den sei der folgende Link:
http://www.file-upload.net/download-242 ... e.pdf.html

Erika

Re: Eure Ost-West-Geschichte?

Beitrag von Erika » 11. Apr 2010 11:41

Danke für die Daten, sehr nett.
LG N.E.

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Zinfandel
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Re: Eure Ost-West-Geschichte?

Beitrag von Zinfandel » 11. Apr 2010 12:12

Mal zu den Statistik-Fans: Die meisten Ost-West-Unterschiede lassen sich durch Unterschiede im Haushaltsnettoeinkommen, im sozialen Status, in der Frage ob arbeitslos oder nicht, in ländliche vs. städtische Effekte erklären. D.h. wenn man alles andere konstant hält werden die statistischen Effekte, die Ost vs. West zugeschoben werden, sehr sehr klein.

Zu den Stasi-Akten: Viele IMs waren keine freiwilligen Spitzel, sondern wurden wegen irgendwas erpresst, jemanden zu bespitzeln. Nehmen wir also an, jemand nimmt jetzt Einsicht in seine Akte und erfährt darin, dass sein bester Freund ihn bespitzelt hat. Kann er dann zuverlässig einschätzen, ob der Freund nicht vielleicht nur genau so viele Infos preisgegeben hat, dass man selbst keine Nachteile hatte, er aber auch nicht? (Und von solchen Fällen hab ich häufiger gehört.) Aber vielleicht hat er doch knallhart für den eigenen Vorteil intime Informationen preisgegeben? Lässt sich sowas einschätzen? Ich denke, in den wenigsten Fällen. Und da kann ich jeden verstehen, der es eben lieber gar nicht wissen will.

Aber weil wir gerade dabei sind: Habt Ihr eigentlich bei Euren Opas und Uropas genau nachgebohrt, was sie im 2. Weltkrieg gemacht haben? Ob sie in der SS waren? Ob sie in Russland Frauen vergewaltigt haben? Wie viele Juden sie verpfiffen haben? Oder wollt Ihr es lieber nicht wissen?

Ich habe für mich in solchen Fragen einen Grundsatz: "Urteile nie über das Handeln eines Menschen in einer Situation, in der Du selbst nie handeln musstest." Klar ist es leicht zu sagen, dass ich im Dritten Reich Juden geholfen hätte, dass ich mich dem Widerstand angeschlossen hätte. Oder dass ich bei den Montagsdemos in der ersten Reihe gelaufen wäre. Dass ich womöglich schon vorher gegen das System gekämpft hätte. Aber vielleicht hätte ich damals auch viel zu viel Angst dafür gehabt. Oder ich wäre für die Gehirnwäsche anfällig gewesen und hätte geglaubt, was mir so erzählt wurde. Ich weiß es nicht. Und deswegen reiße ich auch nicht den Mund auf und schimpfe über jeden, der damals einfach nur Mitläufer - oder vielleicht sogar mehr - war.

Und zum Stichwort Ostalgie und der Frage, warum nicht alle Ex-DDR-Bürger das System verdammen: Stellt Euch mal vor, Ihr hattet 40 Jahre ein recht sorgenfreies Leben. Ihr hattet ungefähr genauso viel wie Eure Nachbarn und Freunde (eine nette Wohnung, einen Trabbi, einen wunderschönen Kleingarten, immer genügend zu Essen, einmal im Jahr einen schönen Urlaubsplatz an der Ostsee oder im Spreewald). Und dann erzählt Euch jemand, dass es ein Unrechtssystem war, dass es ja eine grausame Zeit gewesen sein muss. Natürlich war das System scheiße, es war keine Demokratie, man hatte eben einfach nicht alle Möglichkeiten. Aber im Kleinen, im täglichen Leben, im Vergleich zu seinem ganzen Umfeld, ging es einem richtig gut. Die DDR-Bürger haben sich in ihrer kleinen Welt sehr viel aufgebaut. Da wurde schon der Bau einer Gartenlaube zum Mehrjahresprojekt, das reichlich Netzwerk, Kreativität und Improvisationstalent gebraucht hat. Das wird natürlich irgendwo obsolet, wenn man auf einmal viel schönere Lauben für nen Apfel und ein Ei im Baumarkt bekommt. Aber soll man sich selbst deswegen 40 Jahre seines Lebens komplett schwarz anmalen? Was viele als Ostalgie sehen sind eben einfach nur Erinnerungen an eine Zeit im Leben, in der es einem "trotzdem" gut ging. Darf man da nicht hin und wieder mal in Erinnerungen schwelgen? Oder würdet Ihr Euch von Leuten, die nicht auch nur einen Tag in der Ex-DDR gelebt haben, vorschreiben lassen, dass Ihr bitte 40 Jahre Eures Lebens scheiße finden müsst?

Und dann macht es ja auch das menschliche Gehirn, dass man die Vergangenheit verklärt. Das ist bei jedem Deutschen so. Wären wir wieder bei den Großeltern - fragt mal, wie schlimm sie das Dritte Reich fanden. Das werden die wenigsten wohl so einschätzen wie wir, die es nur aus dem Geschichtsunterricht kennen.
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Zinfandel
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Re: Eure Ost-West-Geschichte?

Beitrag von Zinfandel » 11. Apr 2010 12:23

Mir fällt gerade auf - noch vor ein paar Jahren waren solche Diskussionen an der Tagesordnung, jetzt ist sie mir fast schon fremd geworden.

Liegt es daran, dass ich seit einigen Jahren wieder in Sachsen lebe? Dass es eher ein Thema war, als ich unter Westdeutschen gelebt habe? Oder (das ist mein subjektiver Eindruck) ist Deutschland in den meisten Köpfen doch ein ganzes Stück zusammengewachsen?

Aber es gibt wohl immer noch ein paar Leute, die krampfhaft die Mauer im Kopf beschwören.
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Erika

Re: Eure Ost-West-Geschichte?

Beitrag von Erika » 11. Apr 2010 12:32

Manchmal sind es ja auch die kleinen Dingen. Die DDR wurde im gesamten "verdammt" und schlecht gemacht. Das Gute wurde weder gesehen noch beibehalten. Ich denk da an so Sachen wie Krippen- und Kindergartenplätze für alle, oder auch das es lang nicht soviel Müll gab: Verpackung, Plastiktüten. Das zwar nicht aus Umwelttechnischen Gründen soviel wiederverwertet wurde, sondern aus finanziellen...doch nichts davon wurde übernommen, owohl es gut gewesen wäre. Auch das Bewußtsein für gewisse Dinge is flöten gegangen. Im Kapitalismus gehts doch immer nur um Kohle und Konsum und mehr haben und was besseres haben. Statussymbole für jeden.. yeah, ich weiß nicht was daran gut sein soll. Das was Wir nun in Deutschland haben ist für mich keine richtige Demokratie, ich sehe auch zuwenig Macht beim Volk, zuwenig Volksbestimmung, der Politiker ist heute kaum noch ein Vertreter des Volkes...etc.
Und ich finde es schade das das Gemeinschaftsdenken, auch wenn es manchmal einfach Mittel zum Zweck war, irgendwie total weg zu sein scheint. Siehe Zinfandels Beispiel mit der Laube. So war es ja auch mit anderen Dingen. Irgendwie war in der DDR vieles mehr wert.
Die DDR war eine Dikatur, keine Frage, viele Menschen haben viel leid erfahren. Aber das ist nur eine Seite der Medaille. Und ich bin trotzdem froh das es die Mauer nicht mehr gibt. Und heut ehat zumindest jeder die Wahl, um beim Bsp. zu bleiben, ob er seine Hütte selber kauft, oder selber baut.

Was vielleicht auch noch ein Unterschied sein könnte. Im Westen wurde der Mensch zu mehr Selbstständigkeit erzogen, zumindest habe ich das so erlebt, konnte ja beide Erziehungstile "genießen". Und im Osten war zwar jede Menge Selbstengagement im kleinen gefragt, aber im Große gab es Tatsachen und Vorgaben die fest waren, vorgegeben und wo es den Menschen kaum möglich war Einfluss zu nehmen.

N.E.

Text geändert, hatte mich zu krass ausgedrückt, mich regt da manches manchmal ziemlich auf..naja
Zuletzt geändert von Erika am 11. Apr 2010 13:55, insgesamt 5-mal geändert.

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Zinfandel
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Re: Eure Ost-West-Geschichte?

Beitrag von Zinfandel » 11. Apr 2010 12:56

Ich fühle mich mal grad bemüßigt zu betonen, dass ich Nina Erikas Ausführungen nicht zustimmen kann. Das war ganz sicher nicht das, was ich meinte. Nur falls das wer so versteht ... weil ich das Gefühl habe, dass es NE so verstanden hat ...

Weder halte ich die Bundesrepublik für eine Diktatur noch den Kapitalismus für Anfang und Ende allen Übels oder bin traurig, dass wir heute eine Gartenlaube einfach so im Baumarkt kaufen können (wenn wir denn wollen).
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Marnie
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Re: Eure Ost-West-Geschichte?

Beitrag von Marnie » 11. Apr 2010 17:38

Zinfandel hat geschrieben:Mir fällt gerade auf - noch vor ein paar Jahren waren solche Diskussionen an der Tagesordnung, jetzt ist sie mir fast schon fremd geworden.

Liegt es daran, dass ich seit einigen Jahren wieder in Sachsen lebe? Dass es eher ein Thema war, als ich unter Westdeutschen gelebt habe? Oder (das ist mein subjektiver Eindruck) ist Deutschland in den meisten Köpfen doch ein ganzes Stück zusammengewachsen?
Vielleicht warst Du im Westen ganz einfach "diskussionsgefährdeter", weil Du von der anderen Seite der Front warst als ein Grossteil Deiner Umwelt?
Gespräche über die DDR interessieren mich ja meistens, weil ich objektiv gesehen durch meine Schulzeit in Frankreich vergleichsweise wenig über deutsche Geschichte weiss. (Man sagte mir schon, dass es sonst undenkbar wäre, Schindlers Liste total bewegend und nicht nervig zu finden ;) ). Dennoch gibt es mehrere Methoden, um mir die Laune dabei gründlich zu verderben und die beste davon ist, ständig die Wörtlein "Ihr" und "Wir" zu verwenden. Ich bin halt ungern "Ihr", ich kann mich damit nicht wirklich identifizieren und ich mag einer Gleichaltrigen auch nicht das Recht zugestehen, als "Wir" aufzutreten. Nun kann mir gegenüber ja nur jemand, der sich selbst als ostdeutsch identifiziert, überhaupt mit dem Ihr/Wir kommen und versuchen, auf meine Kosten Selbstbeweihräucherung zu betreiben. Wie ist das bei Dir, Zinfandel? Sind Dir öfters mal Leute aus dem Westen mit der hochheiligen Ihr/Wir-Dialektik gekommen?

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