Masturbationsgesellschaft beziehungsunfähiger Cyberonanisten

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Zinfandel
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Masturbationsgesellschaft beziehungsunfähiger Cyberonanisten

Beitrag von Zinfandel » 2. Feb 2010 19:33

http://www.spiegel.de/schulspiegel/lebe ... 97,00.html

Welchen Einfluss hat die Verfügbarkeit von Pornos&Co auf die Teenager, deren Sexualität und ihr Beziehungsleben?
Der betagte Sexpapst Oswalt Kolle fürchtet gar eine "Masturbationsgesellschaft" voller beziehungsunfähiger Cyber-Onanisten.
Unsere Generation wurde wohl von Dr. Sommer aufgeklärt, wird der heutigen Generation tatsächlich von Youporn die Sache mit den Bienchen und Blümchen erklärt?

Interessant finde ich ja auch, dass Bondage in einem Atemzug und völlig selbstverständlich mit Blowjobs genannt wird. Scheint also inzwischen sowas wie "State of the Art" zu sein.
Es gibt erste Studien, die sich damit befassen, wie Pornokonsum Jugendliche beeinflusst. Die Forscher stellen keine spektakulären Effekte fest. Das Umfeld ist entscheidend. Wo sich Eltern grundsätzlich nicht kümmern, kann sich auch eine seltsame Sexualität entwickeln, können die Pornobilder stärkeren Einfluss haben als in behüteten Familien. Gerade wenn in dem Milieu ohnehin ein fragwürdiges Frauenbild vorherrscht.
Klingt doch eigentlich ganz beruhigend, oder?

Und das find ich eigentlich noch beruhigender:
Es kann gut sein, dass es bei einigen ähnlich läuft wie bei Eric. Anfangs fand er das aufregend. Er glaubt immer noch, dass man sich ein paar Sachen abschauen kann, Stellungen. Aber irgendwann sei ihm der Pornosex langweilig geworden, erzählt er. "Live ist natürlich besser", sagt Eric. "Ich hol mir keine Filme mehr, ich hol mir lieber 'ne Freundin."
Aber wenn man bedenkt, dass unsere Großeltern die Beatles für das schlimmste Übel der Welt hielten, was würden sie wohl dazu sagen?
Dort steht er auch an diesem Nachmittag, kramt sein Handy aus der weiten Baggy Pant und sucht nach einem Song, dessen Text er gerade vorgerappt hat: "Hose runter, du warst böse, mit der Rute auf die Möse." Seine Stiefschwester hat auch viele solcher Lieder auf dem Mobiltelefon. Die ist 15. Manchmal summt sie "Reich die Muschi rum" vor sich hin, aus einem Stück der Rapper Frauenarzt und King Orgasmus One. Sie singt es wie einen Abzählreim, als wäre es gar nicht das Frauenverachtendste, was man sich so ausdenken kann.
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Carisa
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Re: Masturbationsgesellschaft beziehungsunfähiger Cyberonanisten

Beitrag von Carisa » 12. Feb 2010 12:25

Ich glaub, dass die "Erwachsenen" die Kinder definitiv unterschätzen, was den Umgang mit solchen Musiktexten etc. anbelangt, hab dazu letztens nen ziemlich guten Artikel in der Brigitte bzgl. Ramstein gelesen.

Ich fand dieses Buch Deutschlands sexuelle Tragödie da viel aufrüttelnder, da gehts nämlich hauptsächlich auch dadrum, was Eltern ihren Kindern vorleben. Ich denke ein Kind aus einem Elternhaus, das ihm Liebe und Respekt vorlebt, wird eben neugierig sein wg. der Pornos, aber es irgendwann langweilig finden und sich halt einen Partner suchen. Aber Kinder, die vorgelebt bekommen, dass Beziehung = Porno, Gewalt, Respektlosigkeit, Frauenverachtung... bedeutet, die leben das leider auch so.
Das Leben ist eine zu 100 % tödliche Krankheit, die auf sexuellem Wege übertragen wird.

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tiguar
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Re: Masturbationsgesellschaft beziehungsunfähiger Cyberonanisten

Beitrag von tiguar » 7. Jun 2010 17:18

Ich denke, dass die wahre sexuelle Revolution jetzt erst stattfindet, denn bisher gab es so etwas in Deutschland kaum. Auch CSD und Co. kommen nur langsam in Fahrt, und selbst dann akzeptiert man es praktisch nur für einen Tag im Jahr, sieht es dabei auch mehr als "karnevaleskes Treiben" an, aber streichelt sein Ego mit der Toleranzbürste. Am nächsten Tag ist alles wieder beim alten, und man hat kein Interesse mehr daran, das andere zu verstehen oder zu akzeptieren.

Allerdings sollte man sich auch mal die Southpark Folge "Keine Verbindung"/"Over logging" (S12F06) ansehen, wo die Gefahren einer übersexten Gesellschaft pointiert ausgebreitet werden ("Brasilianischer Furzporno"), nämlich durchaus in Realitätsverlust und Interessensverlust an der Realität (wobei das im Internet wohl generell passieren kann), sowie übermäßiger Abstumpfung. Natürlich gibt es noch genug andere Gefahren, zum Beispiel, dass in Pornos so gut wie nie Kondome verwendet werden. Ob Frauen in Porno's übermäßig objektifiziert werden weiß ich nicht, bisher hatte ich nicht den Eindruck. Da die meisten Pornos sowieso keine (sinnvolle) Handlung haben, können sie ja auch keine wirklichen Botschaften übermitteln, außer: das ist ein Genital in Großaufnahme.

Ich denke viele kennen neben youporn noch Portale wie 4chan oder danbooru, wo sich auch prima bildchen finden lassen, die vielleicht nicht unbedingt kindgerecht sind.

Noch dazu kommt, vielleicht tut man sich selbst nicht mal wirklich einen Gefallen damit. Wenn man mit 14 schon beginnt zu Hardcore-SM Bildern zu masturbieren, ist es dann noch so aufregend, wenn man selbst damit beginnt? Nimmt man sich nicht vielleicht selbst ohne zu wollen so die schönsten Jahre seines Lebens? Ist es einem irgendwann zu lästig noch das echte Seil rauszuholen, wenn man auch bequem vor seinem Computer Handarbeit betreiben kann? Das ist sicher alles ein Zweischneidiges Schwert, sexuelle Freiheit <-> sexuelle Verrohung.

Mein erster Porno war auch ca mit 14 auf ner Lanparty (=klassische Pornotauschgelegenheit), klassischer Gina Wild. War ganz nett, schade eigentlich, dass ich den nicht mehr habe :mrgreen: Die Handlung war so spannend.
"Unnütz jemandem einen Gedanken erklären zu wollen, dem eine Anspielung nicht genügt.

Frater
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Re: Masturbationsgesellschaft beziehungsunfähiger Cyberonanisten

Beitrag von Frater » 14. Jun 2010 10:21

Ein Bekannter von mir hat in einem Gespräch erläutert, warum er sein erstes Mal nicht sonderlich aufregend fand. Er war so geeicht von Pornos, das er sich viel zu viel erwartet hat - und zwar sowohl von ihr (Wie, das willst du jetzt nicht machen..? Im Film gefällts denen!) als auch von sich (Boah, der Typ hat auch mit drei Frauen eine Stunde durchgehalten, und ich war nach 5 Minuten fertig...).

Der dadurch aufkommende Erfolgsstreß führt natürlich dann meistens zum Gegenteil, eben Errektionsstörungen oder so. Diese künstlich aufgedrückten Zwänge (die eigentlich selbstinduziert sind..) gibt es bei Masturbation natürlich nicht.

Wollte ich nur mal so in den Raum werfen :)

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Da Wüst
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Re: Masturbationsgesellschaft beziehungsunfähiger Cyberonani

Beitrag von Da Wüst » 23. Feb 2012 20:11

tiguar hat geschrieben:Wenn man mit 14 schon beginnt zu Hardcore-SM Bildern zu masturbieren, ist es dann noch so aufregend, wenn man selbst damit beginnt? Nimmt man sich nicht vielleicht selbst ohne zu wollen so die schönsten Jahre seines Lebens? Ist es einem irgendwann zu lästig noch das echte Seil rauszuholen, wenn man auch bequem vor seinem Computer Handarbeit betreiben kann? Das ist sicher alles ein Zweischneidiges Schwert, sexuelle Freiheit <-> sexuelle Verrohung.

Zum Teil kann das wohl wahr sein, keine Frage. Allerdings hängt das wohl auch vom jeweiligen Menschen ab. Bevor ich angefangen habe meine SM-Phantasien auszuleben, habe ich auch Pornos in der Richtung konsumiert. (Wahrscheinlich nicht in dem Ausmaß, wie es heute verfügbar ist.) Allerdings hatte sich dadurch mein Verlangen nicht reduziert. Und ich habe deswegen die ersten Erfahrungen nicht weniger intensiv genossen. Ganz im Gegenteil. Das Gefühl der Befriedigung während des Spiels war sehr viel stärker, als ich es beim bloßen Betrachten von SM-'Pornos hatte. Es war real, zum Anfassen. Und das ist mir bis heute geblieben, dieses intensive Wahrnehmen der Situation. Mir kommts ein wenig so vor, als ob meine Sinne in diesen Momenten wesentlich besser als normal funktionieren würden. Jetzt bin ich abgeschweift...

Ich glaube nicht, daß die Verfügbarkeit von Pornos Jugendliche verroht. Ich hab auch mit 14 dämliche Witzchen über alles mögliche Sexuelle gemacht (ab und zu heut auch noch :D). Heute wird mit dem Thema eben offener und vor allem früher umgegangen. Auch in den 80er-90er Jahren hats schwangere 14jährige gegeben, nur daß eben nicht so offen drüber gesprochen wurde, sondern eher totgeschwiegen. Das Gleiche gilt für Kinderschänder, Ehrenmorde, politische Extremisten, Gewalttaten, ect...
Mal abgesehen davon ändert sich das Gesellschaftsbild und dazugehörige moralische Vorstellungen seit den 70ern. Und ein solcher Wandel braucht seine Zeit. Wenn wir mal auf Europa im Mittelalter sehen, gibt es gewisse Parallelen zu den heute noch religiös geprägten Staaten. Die werden auch nach und nach demokratisch, trennen Staat und Religion und werden in den nächsten 40-50 Jahren auf unserem heutigen Stand sein. Wir sind eben nur ein bischen vorneweg. Wie und in welche Richtung sich das Ganze entwickelt wird sich zeigen.

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